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Bio-Saatgut

Anbautipps für Roggen

Während oft der Anbau von Weizen oder Gerste bevorzugt wird, hat Roggen doch ein großes Potenzial als klassisches und sehr gesundes Brotgetreide. Im Hausgarten bietet sich der Anbau zur Selbstversorgung, als Zierde oder als Gründüngungspflanze an.

Roggen anbauen

Mit seiner Fähigkeit, bis zu zwei Meter tief zu wurzeln, ist Roggen in der Lage, Trockenheit zu tolerieren. Besonders in kühleren Regionen, in denen Weizen nicht gut gedeiht, wächst Roggen problemlos und zeigt sich widerstandsfähig.

Je nach Sortentyp kann er als Winter- oder Sommergetreide angebaut werden. Sommerroggen ist in Europa von untergeordneter Bedeutung, aber es gibt ihn (wenn auch nicht bei uns …). In gemäßigten Klimazonen übersteht Roggen den Winter und wächst im Frühling weiter. Er wächst grundsätzlich auf allen Böden, bevorzugt aber lockere, leicht saure bis neutrale Böden und gedeiht auch auf leichten Böden.

Roggen ist unsere genügsamste Getreideart und benötigt normalerweise keine Bewässerung und im Hausgarten auch keine Düngung. Auch die Vorfrucht sollte nur mäßig gedüngt worden sein. Bei einem Zuviel an Nährstoffen, vor allem Stickstoff, werden die Halme instabil und kippen um.

Wer nur wenige Pflanzen zum Kennenlernen, zu Demonstrationszwecken oder zur Zierde anbauen möchte, kann Roggen auch in größeren Töpfen aussäen. Dann muss aber für eine Stütze und Anbindung gesorgt werden – er kann zwei Meter hoch werden. 

Roggen aussäen und anziehen

Winterroggen wird im September bis Oktober gesät, die Aussaattiefe sollte etwa 2 bis 3 cm betragen. Roggen kann in Reihen von 15 bis 20 cm Abstand oder breitwürfig ausgesät werden. In diesem Fall die Körner gleichmäßig auf der Fläche ausstreuen, die auf der Saatgutpackung angegebenen ist, und anschließend mit einem Rechen einharken. Außer dem Winter- und Sommerroggen gibt es noch den Johannisroggen, der bereits Mitte bis Ende Juni, also um „Johanni“ (24. Juni) gesät wird, um im Folgejahr zu blühen und zu fruchten. Er ist teilweise mehrjährig. 

Weitere Pflege

Da Roggen eine relativ robuste Pflanze ist, braucht er im Wachstum nur wenig Aufmerksamkeit. Zu Beginn, ab der Ausbildung des dritten Blattes (vorher sind die Würzelchen noch zu empfindlich) kann bei Reihensaat zwischen den Reihen gehackt werden. Bei breitwürfiger Saat kann in diesem Stadium nochmals übergerecht werden. Kleine Beikräuter werden dabei zurückgedrängt und die Bestockung (die Ausbildung mehrerer Halme pro Pflanze) des Roggens wird angeregt. Bei starker Konkurrenz durch üppig wachsende Wildkräuter kann Jäten sinnvoll sein. Im Freiland, zumal im meist geschützten Hausgarten, muss Roggen in der Regel nicht gestützt werden. Die Halme sind sehr elastisch und wiegen sich im Wind.

Krankheiten und Schädlinge

Es gibt zwar einige Pilze wie Rost und Getreidemehltau, die Roggen befallen, und eine ganze Reihe Insekten, die ihm schaden können, doch ist Roggen wenig anfällig. Gerade im Hausgarten, wo Getreide nicht dominiert, sondern in eine vielfältige Fruchtfolge und Pflanzengemeinschaft eingebunden ist, gibt es kaum Probleme. In Regionen mit schneereichen Wintern darf Winterroggen nicht zu früh gesät werden, damit er im Herbst nicht zu üppig wird, sonst könnte er durch den Schneeschimmel, einer Pilzkrankheit, wegfaulen.

Roggen ernten und lagern

Die Erntezeit hängt von den Wetterbedingungen und der Anbauregion ab. In der Regel wird Roggen im Juli oder August geerntet. Der Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Körner fest sind, und die Pflanzen gelbbraun und trocken wirken. Eine gute Faustregel: Wenn das Korn über den Fingernagel gebrochen wird, darf es nicht mehr saftig oder teigig sein. Sofern es nicht bereits so hart ist, dass es sich nicht mehr brechen lässt, sollte es an der Pflanze oder in den geernteten Ähren noch etwas nachtrocknen. Bei kleinen Mengen geschieht das „Dreschen“ ohne größere Technik durch Ausreiben der Ähren zwischen den Händen. Weitere Möglichkeiten bei etwas größeren Mengen sowie die Reinigung der Körner sind in unserem Gartenwissen zu Weizen beschrieben.

Voll durchgetrocknete Roggenkörner können an einem trockenen, kühlen Ort über mehrere Monate bis Jahre gelagert werden. Dann müssen sie aber zuverlässig vor Lebensmittelmotten geschützt werden, z.B. in dicht schließenden Gefäßen. Für eine Lagerung in luftdichten Behältern muss das Korn absolut trocken sein, damit es nicht schimmelt. Wenn es zuvor in Papiertüten gesammelt oder aufbewahrt wurde, ist die richtige Trockenheit auch am Knistern des Papiers zu erkennen. Roggenmehl sollte innerhalb von 3 bis 6 Monaten, besser noch frisch, verbraucht werden, da es ansonsten an Geschmack und Qualität verliert. 

Roggen verarbeiten und verwenden

Das Mehl wird vor allem für die Herstellung von Brot verwendet. Ein Roggenbrot hat einen intensiveren Geschmack und eine festere Konsistenz als Weizenbrot. Für ein gelungenes Roggenbrot braucht es Sauerteig. Es ist wichtig, den Teig ausreichend lange gehen zu lassen, damit sich das typische Aroma entwickeln kann. 

Neben Brot eignet sich Roggen auch als Zutat in Suppen oder als Flocken im Müsli. Die Müsliflocken haben einen etwas bitteren Beigeschmack. In den Ähren auftretendes Mutterkorn – ein braunschwarzes, im Innern weißes, bis zu 5 cm langes, hornartiges Gebilde – ist giftig und darf nicht mitverarbeitet werden.

Roggenmehl kann zudem als sehr preisgünstiges, hautverträgliches Haarwaschmittel genutzt werden. Auch starker Alkohol wie Whiskey, Korn und Wodka wird aus Roggen hergestellt. In der Landwirtschaft wird Roggen als Tierfutter verwendet.

Wissenswertes

Im Frühjahr gesäter Winterroggen kann als nicht schossende Gründüngung stehen, z.B. auf Wegen zwischen den Gartenbeeten: Wird das Roggengrün zu üppig, kann es mit dem Rasenmäher wieder gekürzt werden. 

Das Roggenkorn ist reich an Ballaststoffen, B-Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen und Magnesium: So ist Roggen besonders für eine ausgewogene Ernährung geeignet.
Ursprünglich stammt Roggen aus Zentralasien, fand jedoch als „Verunreinigung“ in anderem Getreide seinen Weg nach Europa. Heute ist Roggen besonders in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet, wo er aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit an kühle Temperaturen geschätzt wird. Zur Blütezeit im Mai/Juni kann bei leichtem Wind die Pollenwolke beobachtet werden. Das Auf- und Abtauchen der Pollenwolke in größeren Roggenfeldern hat etwas Geheimnisvolles; dazu wurde früher gesagt: „Die Muhme geht um.“

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(Jan. bis Okt. Mittwoch 18-20 Uhr)