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Bio-Saatgut

Tomaten im Freiland, eine runde Sache

Mit ihrer bunten Fülle an Fruchtformen, -farben und -geschmack und ihrer vielseitigen Verwendung gehören Tomaten nach wie vor mit zu den beliebtesten Gemüsearten. Wer einmal eigene Tomaten erfolgreich im Garten oder Topf anbauen, ernten und genießen konnte, wird nicht selten vom „Tomatenanbaufieber“ gepackt.

Damit aus der frohen Erwartung auf eine wunderbare eigene Ernte kein Frusterlebnis wird, hier zunächst ein kleiner Exkurs zu einer der Hauptwidrigkeiten im Tomatenanbau.

Die Kraut- und Braunfäule

Hierbei handelt es sich um den Pilz Phytophthora infestans, der bei länger andauernder feuchter Witterung oder Feuchtigkeitsstau innerhalb des Pflanzenbestandes der Tomatenfreude oft ein jähes Ende bereitet.

Die Pilzinfektion der Tomaten nimmt vom Kartoffelanbau ihren Ausgang, denn sie wird jährlich mit den Pflanzkartoffeln weitergetragen. Die leichten Sporen werden in der Regel mit dem Wind über sehr große Distanzen verdriftet. Sie können aber auch bei Pflegearbeiten über Hände, Kleidung, Werkzeug usw. bei vorherigen Arbeiten an erkrankten Kartoffelpflanzen übertragen werden.

Erst nach mehreren Vermehrungszyklen auf der Tomate wird der Pilz „virulent“, kommt dann feuchte Witterung hinzu, können von den ersten braunen Blattspitzen bis zum Befall der kompletten Pflanze und Früchte manchmal nur wenige Tage vergehen. Nicht nur sind die Früchte, die häufig schon im grünen Zustand braun werden, dann ungenießbar, auch besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die befallene Pflanze weitere Tomatenpflanzen nebenan ansteckt.

Die Empfindlichkeit von Tomaten gegenüber der Kraut- und Braunfäule ist einer der Gründe dafür, dass über 90 Prozent der Importware und der hierzulande erzeugten Tomaten in Gewächshäusern angebaut werden: Diese schützen die Pflanzen vor Feuchtigkeit und beugen damit dem Pilzbefall erheblich vor.

Anbau von Tomaten im Freiland

Die gute Nachricht ist: Der Tomatenanbau kann dennoch auch im Freiland gut gelingen. Nicht nur entfallen hierbei Aufwand und Kosten für den Bau eines Gewächshauses oder Schutzdaches. So ist der Freilandtomatenanbau definitiv auch mit weniger Anstrengungen verbunden, denn ein regelmäßiges Gießmanagement ist – Dürrejahre ausgenommen – nicht mehr nötig: Die Tomatenpflanzen sind meist in der Lage, mit ihren Wurzeln dem Wasser hinterher zu wachsen. Für einen erfolgreichen Freilandanbau ist jedoch die gezielte Auswahl geeigneter Sorten zentral.

Züchtung freilandgeeigneter Tomatensorten

Leider wurde der Freilandaspekt von der kommerziellen Pflanzenzüchtung über lange Zeit vernachlässigt. Daher beschäftigt sich der Dreschflegel e.V. seit Jahrzehnten intensiv mit der Sichtung und Auslese von Tomatensorten mit einer guten Freilandeignung. Gezielte Weiter- und Neuzüchtungen haben mittlerweile das Spektum an Freilandsorten deutlich erweitert.

Die gegenüber Braunfäule tolerantesten Sorten haben tendenziell kleinere Früchte, bis zu guter Cocktailtomaten-Größe lassen sich sehr robuste Freilandsorten erzielen. Aber auch im Salattomaten-Segment sind mittlerweile wunderbar freilandtaugliche Sorten vorhanden.

„Resistent“ gegenüber der Kraut- und Braunfäule sind auch die Freilandtomaten nicht, doch aber deutlich resilienter als andere. Das heißt, sie können ebenfalls an der Pilzinfektion erkranken, vermögen ihr jedoch deutlich länger die Stirn zu bieten oder erkranken häufig zunächst nur an einzelnen Früchten oder Blättern, ohne im Nu zusammenzubrechen. Nicht selten vermögen sie sich sogar nach einem Befall bei Änderung der Wetterbedingungen wieder zu erholen, also die Krankheit zu durchwachsen.

Von diesen Sorten gelingt es durchaus, selbst in ungünstigen Jahren bis zum Spätsommer reife Früchte zu ernten. Unsere für das Freiland geeigneten Sorten sind hier zu finden. In unserem Katalog und Jahrbuch „Saaten & Taten“ sind die passenden Sorten mit dem Freilandsymbol gekennzeichnet.

Anbautipps für ein gutes Gelingen von Tomaten im Freiland

Neben der Wahl geeigneter Sorten, der klimatischen Region und der Jahreswitterung spielt im Freilandanbau gerade im Hausgarten vor allem das Kleinklima, also der Standort, eine entscheidende Rolle. Dieser sollte sonnig und luftig sein, denn das zügige Abtrocknen der Tomatenpflanzen ist im Freilandanbau besonders wichtig. Des weiteren helfen folgende Maßnahmen, dem Befall durch Kraut- und Braunfäule vorzubeugen:

  • Kräftige Jungpflanzen anziehen, denn gesunde Pflanzen sind weniger anfällig. Hier finden sich allgemeine Infos zur Jungpflanzenanzucht sowie zum Tomatenanbau.
  • Erst nach dem Blütenansatz auspflanzen, sonst werden die Pflanzen im Freiland (nicht Topf) zu „mastig“ (wie bei Überdüngung), das macht sie anfälliger. Aber auch überständig sollten die Pflanzen nicht sein.
  • Sonnigen und luftigen Stand (nicht zu dicht!) ohne Unterbewuchs wählen – oder einen warmen Platz an der Hauswand.
  • Überdüngung vermeiden, denn zu stark gedüngte Pflanzen sind weniger robust.
  • Untere Blätter entfernen und Seitentriebe konsequent ausgeizen für ein schnelles Abtrocknen der Pflanzen.
  • Mulch aufbringen: Das verringert die Menge an Spritzwasser, die beim Wässern oder bei Regen an die Pflanzen gelangt.
  • Kranke Pflanzenteile und ggf. auch ganze Pflanzen rasch entfernen, um Ansteckungsgefahr zu reduzieren. 
  • Nie in nassen Beständen arbeiten (ernten, jäten, anbinden, ausgeizen etc.).
  • Nach der Arbeit in erkrankten Tomaten- oder Kartoffelbeständen: Hände, Geräte, ggf. Kleidung gut reinigen (oder desinfizieren), bevor weitere Pflegearbeiten an Pflanzen vorgenommen werden.

Wenn diese Maßnahmen beachtet werden, wird der Freilandanbau sicher gelingen und viele leckere Tomaten hervorbringen! Viel Freude daran.

Passendes Saatgut finden Sie hier:

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(Jan. bis Okt. Mittwoch 18-20 Uhr)