Anbautipps für Paprika, Peperoni und Chili
Ob Gemüsepaprika, Peperoni oder Chili – es handelt sich immer um die Gattung Capsicum, die rund dreißig Arten zählt. Diese sind sich in Anbau, Pflege und Ernte sehr ähnlich und werden deswegen hier gemeinsam behandelt. Unser Sortiment teilt sich in Gemüsepaprika, Gewürzpaprika sowie Peperoni, Chili und Co. auf. Die Beschreibung dieser Gruppen findet sich unten. Fast alle bei uns kultivierten Sorten gehören zur Art Capsicum annuum.
Paprika, Peperoni und Chili anbauen
Der Anbau und vor allem die Anzucht aller Capsicum-Arten erfordert ein wenig gärtnerisches Fingerspitzengefühl. Gleichzeitig ermöglicht die eigene Anzucht eine riesige Auswahl an schmackhaften, robusten Sorten in vielen Formen und Farben, wie sie weder im Fachhandel als Jungpflanzen noch im Supermarkt zu bekommen sind.
Der richtige Standort für Paprika, Peperoni und Chili
Alle Capsicum Arten sind „Sonnenanbeter“, sie lieben viel Licht und vor allem Wärme. Fröste überleben die Pflanzen nicht, unter Kälteeinbrüchen leiden sie! Außerdem stellen Paprika, Peperoni, Chili und Co. hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und haben einen hohen Wasserbedarf, wobei Staunässe unbedingt vermieden werden sollte.
Insbesondere die kleinfrüchtigen Paprikas gedeihen auch recht gut in Töpfen und Kübeln auf Terrassen, Balkonen und Fensterbänken – hier ist wichtig, sich vor dem Pflanzen über den Platzbedarf der einzelnen Sorten zu informieren und entsprechend ausreichend große Pflanzgefäße zu wählen.
Beachtet werden muss außerdem, dass nur kompostreiche Erde den Nährstoffbedarf ganzjährig decken kann und in zu kleinen Gefäßen die gleichmäßige Wasserversorgung immer schwierig sein wird.
Paprika, Peperoni und Chili aussäen und anziehen
Paprika-, Peperoni- und Chilipflanzen bedürfen in unseren Breiten einer Vorkultur. Die Aussaat benötigt mindestens Zimmertemperatur, zuverlässiger gelingt sie in gleichmäßig feuchter, niemals nasser Erde bei Temperaturen von 25 bis 28 °C. Sobald die Sämlinge aufzulaufen beginnen, brauchen sie einen möglichst hellen Standort (z.B. eine Fensterbank Richtung Süden).
Damit sich die kleinen Pflänzchen nicht gegenseitig in die Höhe treiben, werden sie schon im Keimblattstadium in kleine Einzeltöpfchen oder spezielle Multitopfplatten pikiert. Bevor sich die Jungpflanzen wieder in gegenseitiger Konkurrenz ums Licht zu sehr strecken, wird in größere Töpfe verpflanzt und zunehmend abgehärtet.
Dazu kann die Temperatur generell etwas gesenkt werden, und nach und nach – spätestens in den letzten zwei Wochen vor dem Auspflanzen ins Freiland – sollten die Pflanzen zunächst an warmen Tagen leichter Sonne und dem Wind ausgesetzt werden. Zum Schluss können sie Tag und Nacht draußen bleiben, solange die Temperatur nicht unter 5 °C fällt.
Sind die Jungpflanzen für den Anbau in Gewächshäusern oder unter ähnlich geschützten Bedingungen gedacht, bedarf es nur eines geringeren Abhärtens.
Weitere Pflege
Zum Zeitpunkt des Auspflanzens sollte sich der Boden möglichst tief durchgewärmt haben. Optimal gelingt dies, wenn in das Beet schon im Herbst reichlich Kompost oder auch Mist eingearbeitet und die Umsetzungsvorgänge dadurch aktiviert wurden. Kompostgaben ins Pflanzloch fördern ebenfalls das Bodenleben und erfreuen unsere Pflanzen mit Nährstoffen.
Wer ein mit Mist beheiztes Frühbeet für die Jungflanzenanzucht betreibt, kann dieses für Paprikas nutzen: Nachdem ab Mitte Mai alle Kulturen in den Garten gesetzt wurden, sind hier die Bedingungen optimal. Es schützt die Paprikas zu Beginn noch vor Kälte und ihre Wurzeln finden in der Tiefe den Mist vor.
Alle Capsicum-Pflanzen brauchen genügend Abstand voneinander– nicht nur, damit sie sich gut entwickeln, sondern auch, um bei feuchter Witterung so schnell wie möglich abzutrocknen. Trockene Pflanzen werden nicht so schnell von Pilzen und Bakterien befallen und können in der Regel länger beerntet werden.
Die meisten Sorten (vor allem von Gemüsepaprika) brauchen im Verlauf des Sommers eine Stütze, um bei Wind und auch dem immer größer werdenden Gewicht der eigenen Früchte nicht umzukippen oder gar auseinander zu brechen. Hierfür empfehlen sich professionelle Gitter (z.B. Chrysanthemen-Netze) genauso wie das Hochleiten an Schnüren oder Stäben – das Anbausystem muss v.a. an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sein.
Bei Gemüsepaprika ist es ratsam, die erste zentrale Blüte zu entfernen. Dies steigert den Fruchtertrag. Genau wie Tomaten können auch Paprika ausgegeizt werden. Allerdings wird bei Paprika meist mit mindestens 2 bis 3 Trieben gearbeitet. Frühzeitiges Ausgeizen erzeugt kleinere Wunden als nur gelegentliches Ausbrechen großer Triebe und ist somit deutlich schonender für die Pflanzen. Bei Peperoni und Chili ist das Ausgeizen eher unüblich.
Achtung! Auch junge Paprikapflänzchen sind beliebtes Schneckenfutter. Bis die Pflanzen groß genug sind, sollten sie deshalb geschützt werden. Bei hohem Schneckendruck können auch noch die Früchte angeknabbert werden, was oft dazu führt, dass diese schnell anfangen zu gammeln.
Paprika, Peperoni und Chili ernten und lagern
Haben die Früchte die gewünschte Reife erreicht, müssen sie vorsichtig abgedreht oder mit einem scharfen Messer oder einer schmalen Schere geschnitten werden.
Grüne Paprika gibt es übrigens nicht als Sorte – grüne Früchte sind immer unreife Exemplare gelb oder rot abreifender Sorten. Aber auch schwarz, violett, gelb und braun können Farben unreifer Früchte sein, die später nach rot abreifen.
Wer grüne oder andere, unreife Paprika mag, ist klar im Vorteil: Werden die Früchte laufend unreif geerntet, liefert die Pflanze deutlich mehr Ertrag. Wer dagegen vollreife Früchte möchte, muss sich deutlich länger gedulden und mit weniger zufrieden geben. In diesem Fall können, nachdem sich ein schöner Fruchtansatz gebildet hat, alle weiteren Blüten ausgebrochen werden, da Früchte aus diesen Blüten im Herbst nicht mehr abreifen.
Sinnvoll kann die Kombination der Ernte reifer und unreifer Früchte sein: Die ersten Früchte bleiben hängen – auf sie freuen wir uns am längsten – und alle weiteren werden laufend aufgegessen.
Da Paprika im Kühlschrank schnell an Geschmack verlieren, sollten sie lieber bei Zimmertemperatur oder im etwas kühleren Keller gelagert werden. Chili, Peperoni und Gewürzpaprika können je nach Verwendungszweck auch direkt nach der Ernte zum Trocknen aufgehängt und damit für lange Zeit haltbar gemacht werden.
Paprika, Peperoni und Chili verarbeiten und verwenden
Rezepte und Verwendung sind so vielfältig wie Farbe, Form und Geschmack der Capsicum-Arten: flachrund und gerippt oder lang und spitz, in gelb, violett, schokofarben oder rot lassen sich Paprika zum Trocknen, Würzen, Einkochen, für den Frischverzehr oder auf der Pizza verwenden.
Feurige bunte Chilis können getrocknet aufgefädelt, fruchtige Peperonis süß-sauer oder in Öl eingelegt werden.
Und wer einmal den wunderbaren Geschmack eigenen eigenen Paprikapulvers probiert hat, will danach keines mehr kaufen!
Wissenswertes
Capsicum-Früchte weisen einen sehr hohen Vitamingehalt auf und sind zudem reich an Kalium und anderen Mineralstoffen. Scharf macht die Früchte allein der Gehalt an Capsaicin. Je nach persönlicher Empfindlichkeit kann der Verzehr extrem scharfer Speisen zu Beschwerden führen. Bei manchen begeisterten Schärfe-Esser*innen hingegen löst Capsaicin ein Glücksgefühl aus, das sie beinahe süchtig nach Chili werden lässt. Diese Menschen empfinden deshalb auch kein Brennen im Mund, vielmehr ein freudiges, helles Leuchten!
Paprika stammt nicht, wie oft vermutet, aus Ungarn, sondern aus Mittel- und Südamerika. Dort werden die wilden Pflanzen verschiedener Capsicum-Arten seit mindestens 10.000 Jahren als wichtige Würz-, Heil- und Zauberpflanzen genutzt. Mit Anbau und Züchtung begannen die dort ansässigen Menschen Jahrtausende, bevor Kolumbus den Kontinent eroberte, und die Paprika 1493 nach nach Spanien und Portugal brachte. Schnell breitete sich das in Europa neue Gewürz als Ersatz für den teuren (echten) Pfeffer als so genannter „Spanischer Pfeffer“ entlang des Mittelmeeres und über den Orient nach Asien und Afrika aus.
Auf dieser Reise des Spanischen Pfeffers revolutionierte das Gewürz, kaum in Ungarn angekommen, kurzerhand die dortige Küche und wurde zum unverzichtbaren Bestandteil vieler wichtiger Gerichte. Ebenso geschah es im arabischen Raum, in Afrika und in Asien.
Ganz anders in Deutschland: Hier ist Paprika seit 1542 als im Blumenkübel kultivierte Zierpflanze erwähnt, doch zum Würzen blieb man 400 weitere Jahre den schwarzen Pfefferkörnern treu. Erst ab etwa 1950 fand Paprika ganz langsam als Gewürz und Gemüse Eingang in die hiesige Küche, nachdem im 19. Jahrhundert die Züchtung schärfefreier Sorten gelang. Inzwischen ist Paprika, gemessen am Pro-Kopf-Verzehr, in Deutschland das zehntwichtigste Gemüse, weltweit steht sie an siebter Stelle!
Unser Sortiment
Gemüsepaprika wird meist unter Glas, unter Folie oder im Frühbeet angebaut. Im Freiland bleibt der Ertrag geringer und die Reife setzt später ein. Die Ernte unreifer Früchte ist jedoch immer möglich. Das Auskneipen der ersten Zentralblüte sowie eine Anbindung oder Abstützung sind zu empfehlen. Falls nicht anders erwähnt, handelt es sich um schärfefreie Sorten.
Gewürzpaprika sind Sorten, die sich durch dünnes Fruchtfleisch und einen hohen Trockensubstanzgehalt besonders gut für die Herstellung von Paprikapulver eignen. Dafür die reifen Früchte trocknen und im Backofen bei ca. 50 °C nachtrocknen. Direkt danach z.B. in einer Kaffeemühle mahlen. Denn durch den hohen Zuckergehalt ist Paprika hygroskopisch – die trockenen Früchte werden schnell wieder „lummelich“.
Der Geschmack des Pulvers kann durch Entfernen der Scheidewände (sie enthalten mehr Capsaicin als das Fruchtfleisch), die Farbe durch Entfernen der Kerne und Scheidewände beeinflusst werden.
Peperoni, Chili und Co. gedeihen neben Freiland- und geschütztem Anbau auch gut in Töpfen und Kübeln, auf Balkonen und an Südfenstern. Verwendet werden sie frisch oder getrocknet. Unreife und reife Früchte sind zum Einlegen in Öl oder milchsauer, reif zum Herstellen von Würzpasten und für die Herstellung von Paprika- oder Chilipulver (s. Gewürzpaprika) sehr gut geeignet.
Passendes Saatgut finden Sie hier:
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(Jan. bis Okt. Mittwoch 18-20 Uhr)
