Dreschflegel Bio-Saatgut

Bodenfruchtbarkeit (Autor: Ludwig Watschong)

Bodenleben
Zeichnung: Quirin Wember

Für die Bio-GärtnerInnen ist der Boden nicht nur Haltepunkt für die Pflanze, sondern unverzichtbare Lebensgrundlage. Der Boden bestimmt neben Licht und Wärme, wie die Pflanzen wachsen.

Die Fruchtbarkeit des Bodens bedeutet nicht nur Leben, sondern auch Vermehrung dieses Lebens. Und ein lebendiger Boden wimmelt nur so von Klein- und Kleinstlebewesen.

Angefangen bei den Bakterien, den Pilzen und Algen, den Rädertierchen, den Springschwänzen, den Hundert- und Tausendfüßern, den Ameisen, Würmern, Asseln, Käfern und Spinnen und deren Ausscheidungen.

Auch größere Tiere wie Mäuse, Kröten und Igel sind Teil dieser ökologischen Gemeinschaft. All diese essen und werden gegessen und sorgen so für einen permanenten Aufbau, Abbau und Umbau von Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen.

Die Elemente wie Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor, Kalk, Kalium und viele andere Stoffe werden in lebendige Prozesse eingebunden, werden mit der Nahrung aufgenommen und wieder ausgeschieden, um am Ende in „festen“ Strukturen wie Humus zu landen, welcher dann den Pflanzen zur Nahrung dient.

Diese lebendige Humusbildung zu fördern und auch im Komposthaufen gezielt zu erzeugen, ist die eigentliche Hauptaufgabe der GärtnerInnen. Deshalb geht es in einem Bio-Garten auch nicht darum, die Pflanzen zu düngen, sondern es wird das Lebendige im Boden gefüttert, welches dann die Nahrung der Pflanzen aufbaut.

Im Boden herrscht ein ständiges Geben und Nehmen. Auch die Pflanzen nehmen nicht nur, sondern sie scheiden über die Wurzeln Stoffe aus und auch Wurzelhautschuppen dienen den anderen Bodenlebewesen zur Nahrung. Ebenso geht auch das organische Material der abgestorbenen Pflanzen in den Kreislauf eines lebendigen Bodens ein.

Je mehr Kunstdünger in die Erde kommt, je mehr Pestizide gespritzt werden und je tiefer der Boden gepflügt wird, desto weniger Leben ist in solchen Böden. Der Bestand an Kleinstlebewesen wie Bakterien, Pilzen und kaum sichtbaren Tierchen wie den Springschwänzen nimmt ab.

Ob der eigene Boden lebendig ist und viele Lebewesen enthält, können die GärtnerInnen vor allem an den Regenwürmer erkennen. Wenn viele Regenwürmer vorhanden sind, ist auch der Bestand an anderen Kleinstlebewesen hoch.


Regenwürmer

Tauwurm und roter Kompostwurm
Zeichnung: Quirin Wember

Charles Darwin wies schon 1837 auf die Bedeutung der Regenwürmer bei der Bodenbildung hin. Sie verwandeln organische Masse in Humus, fixieren Nährstoffe in Ton-Humus-Komplexen und lockern den Boden durch ihre Grabtätigkeiten.

Ihr Gängesystem kann große Mengen an Wasser aufnehmen, so dass es bei starken Regenfällen zu weniger Überschwemmungen und Erosion kommt. Die Wände ihrer Röhren kleiden sie mit Kot aus, auf dem sich Bakterien, Pilze und Einzeller verbreiten, die wiederum anderen Kleinlebewesen als Nahrung dienen.

Nicht zuletzt kommt das auch den Pflanzen zugute, die sich gerne mit ihrem Wurzelsystem in diesen nährstoffreichen Röhren ausbreiten. Pro Hektar (10.000 m 2 )und Jahr können die Regenwürmer je nach Wetter und Anzahl der Würmer 40 bis 80 Tonnen besten Gartenhumus produzieren. Pro Kubikmeter Boden sollten 100 bis 500 Individuen leben.

Es sind permanente Arbeiter, lediglich zu hohe Temperaturen, Trockenheit oder Frost halten sie davon ab. In trockenen Sommern oder kalten Wintern ziehen sie sich in tiefere Schichten zurück und kringeln sich in ausgepolsterten Hohlräumen ein.

Wenn ein Komposthaufen bei sehr tiefen Temperaturen völlig durchfriert (was selten passiert, da die biologische Umsetzung im Haufen auch Wärme erzeugt), kann es passieren, dass erwachsene Tiere erfrieren. Allerdings werden bei steigenden Temperaturen neue Würmer schlüpfen, da die Eier und Kokons wesentlich niedrigere Temperaturen ertragen können als ausgewachsene Exemplare.

Die Regenwürmer teilen sich in drei Formengruppen auf:

  • Die epigäischen (griechisch epi = auf, gäa = Erde) Formen sind die Streubewohner, die in der Streu des Waldes oder auch in Komposthaufen leben.
  • Die endogäischen (griechisch endo = innen) Formen, die in der Erde im mineralischen Bereich des Bodens leben, graben meist horizontale Gänge.
  • Die langen, vertikalen Röhren, die die oberen Bodenschichten mit den unteren verbinden, werden von den anözischen oder anektischen (lateinisch anectare = verbinden) Formen, gebohrt.

Bei einem Mulchversuch konnte man feststellen, dass sich die Regenwürmer (vor allem der Tauwurm, Lumbricus terrestris, der zu der anektischen Formengruppe gehört) bei einer vierjährigen Mulchung mit 1 kg Heu pro Quadratmeter und Jahr von 100 Exemplaren pro Kubikmeter auf 500 Exemplare vermehrte.


Bodenarten

Wichtig sind natürlich auch die Basiseigenschaften des Bodens. Hier haben wir die extremen Bodentypen wie Sandboden, Torfboden oder Tonboden. Wer auf diesen Böden ackern will, muss erst mal Leben in diese Böden bringen.

  • Sandboden ist zwar einfach zu bearbeiten, kann aber nur wenig Wasser halten, und die Pflanzen dursten schnell. Hier kann mit Ton (Bentonit) und Humus (Kompost, oder anderes organische Material) der Boden aufgebessert werden, um Wasser und Nährstoffe besser zu halten und das Bodenleben damit zu fördern.
  • Trockengefallene Torfböden haben zwar sehr viel organische, kohlenstoffreiche Masse, welche aber durch Hebung des pH-Wertes, Einbringung von Feuchtigkeit und stickstoffreichem Material wie Grasschnitt zum Leben erweckt werden muss.
  • Tonboden kann zwar Feuchtigkeit lange halten und ist sehr mineralstoffreich, aber da er nach Trockenzeiten sehr hart werden kann, kann er dann schlecht bearbeitet werden und braucht lange, um wieder Feuchtigkeit aufzunehmen. Auch Pflanzenwurzeln haben Probleme, einen solchen Tonboden zu durchdringen. Hier sollte mit viel organischer Masse der sehr mineralische Boden etwas gelockert und belüftet werden.

Grundsätzlich ist immer wichtig, den Humusgehalt des Bodens zu verbessern. Dies kann erreicht werden, indem man Kompost einbringt und mit Mulch arbeitet. Einfacher haben es diejenigen, die es mit einer Mischung dieser extremen Bodenarten zu tun haben.

Die besten Böden sind humusreiche Lössböden, wie man sie in den Bördeböden nördlich der Mittelgebirge findet, so in der Magdeburger oder Soester Börde. Diesen Bodentyp bezeichnet man als Schwarzerde.

Jede und jeder, die oder der solche Böden zur Verfügung hat, kann sich glücklich schätzen. Auch Aueböden und Schwemmland (z.B. Marschböden) gehören zu den fruchtbaren Böden.


Mulchen

In den meisten Fällen haben GärtnerInnen mehr oder weniger humusreiche Lehmböden, die bei guter Pflege in wenigen Jahren zu lebendigen Böden werden können. Zu achten ist auf den pH-Wert, der sollte bei schwach sauer bis neutral (6-7) liegen.

Mit gelegentlichen Gaben von Basaltmehl können fehlende Mineralien und Spurenelemente die Fruchtbarkeit des Bodens erhöhen.

In der heißen Zeit des Sommers sollte der Boden (je nach Bodentyp mehr oder weniger wichtig) zwischen den Pflanzen gemulcht werden, um die Verdunstung von Feuchtigkeit zu verhindern. Dies ist nicht nur wichtig, damit die Pflanze ihren Wasserbedarf decken kann, sondern ein feuchter Boden ist auch notwendig, damit die Pflanze Nährstoffe lösen kann.

Ein ausgetrockneter Boden bedeutet für die Pflanzen nicht nur Durst sondern auch Hunger. Und auch das Bodenleben geht bei trockenem Boden in eine Ruhephase über.

Trocknet der Boden trotz des Mulchs dann doch aus, muss mit heftigem Guss gegossen werden, denn beim Sprengen würde die Feuchtigkeit nur von der Mulchschicht aufgesogen werden, ohne dass das Wasser in die Erde dringt.

Gemulcht wird am besten mit Stroh oder mit frischem oder angewelktem Grasschnitt, im Herbst auch mit Laub. Auf ärmeren Böden empfiehlt sich Grasschnitt, da Stroh und Laub und in noch größerem Maße Rindenmulch und Holzmehl viel Kohlenstoff enthalten und bei der Umsetzung deshalb dem Boden Stickstoff entziehen.

Beachtet werden sollte beim Mulchen, dass sich Schnecken unter lockerem Mulch wie Stroh wohlfühlen und die Wühlmäuse im Winter abgedeckte Flächen lieben, weil diese wärmegeschützter sind. Auch kann Mulch bei feucher Witterung den Pilzbefall begünstigen.

Deshalb sollten Böden mit der Gefahr der Staunässe nur bei sehr trockenen Sommern gemulcht werden, während Sandböden sehr viel schneller austrocknen und darum mit Mulch die Feuchtigkeit besser gehalten werden kann.


Kompost

So sollte, um möglichst viel Humus im Garten zu produzieren, in jedem Garten Platz für einen Kompostkasten sein, wo alles organische Material, was im Garten und in der Küche anfällt, zu Humus umgewandelt wird.

Ein größerer Kasten für das Grobzeug im ersten Jahr und einen kleineren Kasten, in den das gesammelte Material des ersten Jahres umgeschichtet wird.

Es sollte darauf geachtet werden, dass kohlenstoffreiche Reste wie Stengel, Stroh, Laub etc. mit stickstoffreichem Gut gemischt werden, um dann die optimale Kompostqualität zu erhalten. Meist fehlt es an stickstoffreichen Zuschlägen. Dafür kann man immer mal wieder einen Eimer Tiermist, Grasschnitt, oder auch Brennesseln und Beinwell oder die Reste von Erbsen und Bohnenpflanzen zufügen.

Gut ist es, wenn die Möglichkeit besteht, den Kasten abzudecken um die Feuchtigkeit des Inhaltes regulieren zu können. Zu beachten ist, dass frisch anfallender Grasschnitt mit anderem Material gemischt werden muss, sonst kommt es zur Fäulnis.


Balkongärten

Für die Balkongärtnerei empfiehlt sich entweder ein Wurmkompostkasten oder ein EM-Bokashi-Eimer. Der Wurmkomposter ist ein im Handel zu erwerbender dichter stabiler Kasten, in dem die Küchenabfälle gesammelt werden. Im Internet gibt es auch Anleitungen für den Eigenbau.

Regenwürmer der epigäischen Art, meist der Rote Kompostwurm, Eisenia foetida, werden dazugeliefert, oder man besorgt sich bei anderen GärtnerInnen eine Handvoll Würmer. Vor allem auf Bio-Höfen und bei PferdefreundInnen findet man reichlich von den kleinen Schlingeln.

Bei richtiger Anwendung stinkt dieser Kompostkasten auch nicht und kann in der Küche aufgestellt werden. Es sollten nur pflanzliche, rohe Reste eingefüllt werden, die möglichst zerkleinert werden, um eine schnellere Zersetzung zu erreichen.

Als Starter sollte ein wenig fertiger Kompost oder Kompoststarter beigefügt werden. Diese Methode funktioniert mit Sauerstoff, das heißt die Masse muss immer in einem lockern Zustand sein und darf nicht verklumpen oder matschen.

Mit der EM-Methode bezeichnet man ein Umsetzungsverfahren nach einem japanischen Biologen. Die Buchstaben EM stehen für "effektive Mikroorganismen". Dieser Biologe hat verschiedene Bakterien und Hefen kombiniert, die anaerob, also ohne Sauerstoff arbeiten. Es ist vergleichbar einer milchsauren Gärung, was man als leicht säuerlichen Geruch wahrnehmen kann.

Für diesen Prozess wird ein Eimer genutzt, der im Handel zu erwerben ist. Darin werden alle Küchenreste gesammelt, fest in den Kasten gedrückt und mit einem Startermaterial geimpft. Nach oben hin wird die Masse möglichst dicht verschlossen und unter der Masse befindet sich ein Sieb, welches die flüssigen Bestandteile aus der Umsetzung durchlässt und mit Hilfe eines Hahnes abgelassen werden kann.

Der flüssige Teil ist als biologischer Dünger zu verwenden und mit dem oberen umgesetzten Material kann man seine Komposterde bereiten. Als alleinige Topferde ist dieses Produkt allerdings nicht zu verwerten.


Fazit

Der lebendige Boden bildet zusammen mit den Pflanzen ein lebendiges System, welches miteinander in einem ständigen Wechsel von Aufbau, Abbau und Umbau die Nahrung für Flora und Fauna und auch für die Menschen erschafft.


Literatur

Erhard Henning: Geheimnisse der fruchtbaren Böden.
OLV-Verlag, Kevelaer, 6. Auflage 2017, ISBN 978-3-922201-09-0, 19,90 €
Alle Themen rund um den Boden, Humusbildung, Mikroorganismen etc. werden leicht verständlich angesprochen. Ein sehr gutes Buch als Einstieg in das Thema Bodenfruchtbarkeit.

Scheffer, Schachtschnabel: Lehrbuch der Bodenkunde.
Springer, Spektrum, Heidelberg, 17. Auflage 2018 (hard cover), ISBN 978-3-662-55870-6: 49,99 Nachdruck der 16. Auflage 2010, ISBN 978-3-8274-1444-1: 46,99 € (e-book) oder 58,84 € (hardcover)
Sehr umfangreiche weiterführende Informationen zum Thema, es ist ein Lehrbuch für Studierende, ist aber in einer nicht zu wissenschaftlichen Sprache geschrieben. Vorkenntnisse in Chemie sind vorteilhaft.


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