Dreschflegel Bio-Saatgut

Farbenfrohe Spinnereien (Autorinnen: Anke Radtke und Stefi Clar)

Die spinnen, die Dreschis!

Einige von uns sind in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen, aber keine Kinder von Blumenkindern. Doch auch ohne Hippie-Eltern könnten sich bei einem Dreschflegeltreffen theoretisch mindestens sechs Spinnräder treffen. Wir sind dennoch nicht in die gewerbliche Wollverarbeitung eingestiegen, wir gärtnern in erster Linie.

Doch der rote Faden ist nicht gerissen, und so bieten wir auch eine kleine Anzahl von Färbepflanzen, v.a. in der Rubrik „Spezielles“ an. Hier möchten wir das bunte Treiben ein wenig vorstellen und über unser Angebot hinaus Lust auf Experimente machen.


Wolle – und andere Fasern

Unsere heimischen Färbepflanzen bieten eine breite Palette an Naturfarben, mit denen Wolle, Seide, Leinen, Nessel und Baumwolle eingefärbt werden können. Wenn Schafwolle gefärbt wird, ist es gut, wenn sie nicht komplett entfettet wird. Es können Wollstränge, die an mindestens vier Stellen locker abgebunden sein sollten, aber auch ungesponnene Wolle in einem durchlässigen Sack gefärbt werden.

Wer schon mal mit pflanzengefärbter Wolle zu tun hatte, weiß, dass

  1. die Farben sehr viel lebendiger sind als mega-einheitliche und immergleiche Chemiefarben;
  2. die verschiedenen Farben gut zueinander passen;
  3. die Farben sich meistens im Gelb-, Oliv- und Braunbereich bewegen;
  4. der Färbevorgang an sich mit viel Wasser- und Energieaufwand abläuft;
  5. der Färbevorgang sinnlich intensiv wahrnehmbar ist: Wärme, Muskelkraft, Gerüche und Farben

Farben

Das Schöne am Pflanzenfärben ist, dass jeder Färbevorgang anders ausfallen wird. Keine Standards! Je nach Standort und Jahreszeit können von den gleichen Pflanzen abweichende Färbeergebnisse erzielt werden.

  • Blätter sollten beim Sammeln gerade voll ausgewachsen sein.
  • Bei Kräutern können alle grünen Teile zum Färben benutzt werden, sie werden kurz vor der Blüte geschnitten.
  • Die Schalen von Walnüssen und Rosskastanien müssen noch grün und frisch verarbeitet werden.
  • Rinden z.B. von grobem Apfelbaumschnitt sind im zeitigen Frühjahr am ergiebigsten.
  • Der Bastteil, der zum Färben verwendet wird, liegt unter der äußeren Borke.

Die gesammelten Pflanzenteile können für eine Einlagerung mit einer Schere zerkleinert und zum Trocknen ausgebreitet werden. Ein Beschriften der Aufbewahrungsbeutel mit Datum, Fundort und Pflanzenart ist unerlässlich – naja, für Leute wie uns, die auch jedes Saatguttütchen genau beschriften. Das Beschriften ist zumindest dann sinnvoll, wenn das Färben keine einmalige Aktion bleibt.

Das Pflanzenmaterial sollte nach sechs bis zwölf Stunden Einweichen in Regenwasser durch ein Mulltuch gesiebt werden und dann beim Färben der Wolle nur noch im zugebundenen Tuch dem Farbbad wieder zugegeben werden.

Freischwimmende Pflanzenteile lassen sich später nur schwer aus der Wolle entfernen. Im Freien lässt es sich am einfachsten färben, da dort das Tropfen der nassen Wolle unschädlich ist.

Da Blau und Rot die schwierigen Farben sind, sind hier auch entweder die Zutaten oder das Verfahren anders.

  • Färberwaid muss einer speziellen Behandlung mit Urin unterzogen werden, um damit Indigo-Blau färben zu können.
  • Rot wird oft mit Kermes- oder Cochenille-Läusen gefärbt. Wer bei Pflanzenfarben bleiben will, kann Krapp (Rubia tinctorum) oder Labkrautwurzel (Galium boreale oder G. mollugo) verwenden.
  • Pflanzen aus unserem Angebot, die verschiedene Gelbtöne färben, sind: Färberhundskamille, Färberwau, Küchenzwiebel, Goldrute, Ringelblume, Saflor, Schafgarbe, Sonnenblume und Tagetes.
  • Grüntöne lassen sich mit Kerbel, Möhre und Spinat färben.
  • Johanniskraut ergibt braun, Überfärben des Waidblaus mit Krapp ergibt einen bräunlichen Farbton.
  • Orange und Violett sind durch Mischung zu erzielen, z.B. Färberwau und Krapp für Orange oder Blaufärbung mit Färberwaid und anschließendes Überfärben mit Kermes oder Cochenille.

Und à propos braun: hier noch eine interessante Färbemethode ohne beizen und kochen:

8 kg frische, grüne Walnussschalen kurz vor der Reife der Nüsse in Regenwasser ansetzen und nach drei Tagen ein halbes Kilo Wolle für 48 Stunden hineinlegen. In dieser Zeit wird öfter gerührt. Die Wollfasern sollen immer mit Flüssigkeit bedeckt sein. Die Wolle entwickelt in den Tagen nach der Herausnahme ihren lichtechten Braunton. Noch einfacher: ein braunes Schaf scheren!


Notwendige Geräte

  • eine Haushaltswaage für die Pflanzenteile
  • eine Briefwaage für Beizmittel
  • Eimer zum Einweichen
  • Einmachthermometer
  • Holzlöffel
  • Holzzange
  • Küchenwecker
  • Rosenschere
  • Einmachtopf (Emaille oder rostfreier Stahl, anschließend nicht mehr für Lebensmittel gebrauchen)

Das Beizen

Da Alaun eines der ältesten Beizmittel ist, wird es hier etwas ausführlicher vorgestellt. Das Vorbeizen öffnet die Schuppen der Wollhaare und macht sie so für den Farbstoff zugänglich.

Für 100 g trockene Wolle werden 20 g Alaun in heißem Wasser aufgelöst. Die angefeuchtete Wolle wird nun in den Einmachtopf mit fünf Litern handwarmem Regenwasser gegeben. Dazu kommt das aufgelöste Alaun. Nun alles eine Stunde kochen lassen und anschließend die Wolle im Beizbad abkühlen lassen, bis sie handwarm ist.

Die getrocknete Wolle kann auch für spätere Färbungen aufgehoben werden. Allerdings wird der Alaun, früher durch mehrere Schritte aus Alaunstein gewonnen, heute chemisch synthetisiert.

Bärlapp (Lycopodium alpinum) ist alaunhaltig und kann stattdessen eingesetzt werden. Ein anderes pflanzliches Beizmittel ist der Sauerampfer (Rumex acetosa), der in Verbindung mit einem Eisenkessel dunklere Farben hervorruft.

Da Bärlapp leicht giftig ist und zudem unter strengem Naturschutz steht, hier ein Rezept für die Sauerampferbeize: 3 bis 6 kg frisches Sauerampferkraut werden in einem blanken Eisenkessel 1 bis 2 Stunden gekocht und anschließend abgeseiht. Der Kessel wird danach wieder blankgeputzt und die Brühe eingefüllt. 1 kg feuchte Wollstränge werden hinein gelegt und das Ganze langsam zum Kochen gebracht. Nach 1,5 bis 2 Stunden Kochen verbleibt die Wolle im Beizbad, bis sie abgekühlt ist. Die Wolle wird damit grauolive gefärbt.

Je länger die Beizbrühe nach dem Abseien und vorm Beizen im Kessel bleibt (bishin zu mehreren Tagen), desto grauer und dunkler wird die Färbung.


Das Färben

Für das Farbbad werden für 100 g Wolle fünf Liter Farbbad (das abgeseihte Einweichwasser) handwarm gemacht, das Mulltuch mit dem Pflanzenmaterial kommt mit der angefeuchteten Wolle hinzu.

Um eine haltbare Farbe zu erzielen, muss die Wolle wenigstens eine Stunde bei etwa 100 °C im Farbbad bleiben. Danach ist es am Besten, wenn sie im Topf auf 40 °C abkühlt. Jetzt kann sie leicht ausgedrückt werden. Anschließend können Farbüberschüsse mit klarem Wasser ausgespült werden, dabei sollen die Wollfasern keinen Temperaturunterschieden ausgesetzt werden, da sie sonst verfilzen.

Um verschiedene Farbintensitäten aus einem Farbbad zu bekommen, ist es möglich, einen zweiten Wollstrang nach dem ersten wiederum eine Stunde darin zu köcheln. Bei manchen Pflanzen geht das auch noch öfter. Wer also nicht nur auf weiße, graue, braune und schwarze Schafe zurückgreifen will, kann mit Pflanzenfarben Wollstränge nicht nur in den Farben des Regenbogens, sondern auch in Abstufungen von kräftig bis pastell färben. Viel Spaß beim Ausprobieren!


Quellen:

Emil Spränger 1981: Färbbuch – Grundlagen der Pflanzenfärberei auf Wolle, Zürich.

Lydie Nencki 1984: Die Kunst des Färbens mit natürlichen Stoffen: Geschichte – Methoden – Rezepte, Bern, Stuttgart.

Shankara, Parvatee 1988: Handbuch für Selbstversorger, Osnabrück.

Iet van der Vrande 1990: Wolle färben mit Naturfarben, Ravensburg.

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