Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Kerbelrübe - Delikatesse der Romantik (Autor: Ludwig Watschong)

Herkunft und Botanik

Kerbelrübe
Kerbelrübe 2011: ca. 6cm mit 30-40g

Die Kerbelrübe ist in Europa heimisch und man findet sie verbreitet auf Ruderalstandorten. Sie bildet im ersten Jahr ca. 1cm dicke Rüben aus, die dann im zweiten Jahr in Blüte gehen und den Kümmelsamen ähnliche Samen ausbilden.

Diese Samen sind jedoch kaum ein Jahr lang haltbar und da sie zu den Frostkeimenr zählt, d.h. eine Kaltperiode braucht um die Keimhemmung abzubauen, müssen die Samen im Herbst des Erntejahres gesät werden. Die Schwierigkeiten im Anbau trugen sicher zu ihrem Verschwinden bei. Bis vor 200 Jahren war sie jedoch noch in Gärten anzutreffen, Alefeld erwähnt 1866 die Wildform aber auch eine Kulturform, die vereinzelt angebaut würde und eine Größe von 6 - 8 cm erreichten.


Eigenschaften

Diese Rübe galt damals als Delikatesse, roh hat sie einen knackigen Biss, gekocht erhält sie die Konsistenz einer mehligen Kartoffel. Sie hat etwas Schärfe wie Sellerie oder Pastinak und ein Aroma wie Maronen.

In der Literatur findet man immer wieder der Hinweis, dass die kleinsten Rübchen im folgenden Jahr keinen Samenstand bilden, sondern weiter wachsen. Dieses habe ich in meiner jahrelangen Züchtungspraxis noch nie erlebt. Es bildet sich aus allen, auch den kleinen Rübchen, im zweiten Jahr der Samenstand.


Züchtung

Kerbelrübe
Kerbelrübe 2014: ca. 10cm mit 200g

Der Autor begann mit der Züchtung 1990 aus 12 Linien, z.T. aus Gen-Banken und Botanischen Gärten sowie 2 Wildlinien aus Thüringen. Es waren keine reinen Sorten mit Kulturpflanzeneigenschaften mehr vorhanden. Lediglich vereinzelt kamen bestimmte Eigenschaften zum Vorschein, die durch Selektion verstärkt wurden.

2011 haben die Linien annähernd den Entwicklungsstand, der in der alten Literatur erwähnt wird, wieder erreicht, die Rüben erzielen Gewichte bis zu 40g. 2014 sind erstmals Rüben mit 200g Gewicht entstanden. Wichtige noch anliegende Zuchtziele sind u.a. die Verlängerung der Vegetationszeit und die Verlängerung der Keimfähigkeit.


Anbau

Die Aussaat kann bis in den Dezember stattfinden, entweder direkt ins Freiland, oder bei vorauszusehendem Schneckendruck im Frühjahr besser in Anzuchtplatten, da nach dem Erscheinen der Keimblätter lange Zeit vergeht, bis das erste echte Blättchen erscheint. Die Samen brauchen nach der Saat ein paar frostfreie Tage, um zu quellen, dann können sie ohne weiteres im Freien den Winter über draußen bleiben.

Da sie im ersten Jahr ihre Blätter schon im Juli einzieht, hat sie eine verkürzte Wachstumszeit und braucht ein warmes sonniges Frühjahr, um einigermaßen dicke Rübchen zu bilden. Der Boden sollte gut gedüngt sein und ständig feucht gehalten werden.

Wenn keine Wühlmausgefahr besteht, lässt man die Rüben bis zum Herbst im Boden, denn in dieser Zeit verbessern sich dann die Geschmacksqualitäten.


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