Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Duwicker Möhren (Autor: Quirin Wember)

Wildformen

Die Möhre ist eines der wenigen Gemüse, die in Mitteleuropa heimisch sind. Auf Wiesen, Weiden, Trockenrasen, an Wegrändern und Bahndämmen, fast überall finden wie die Wildmöhre, die mit ihren weißen, in der Mitte meist von ein oder mehreren purpur-schwarzen Zentralblütchen gezierten Dolden auffällt. Sie zwingt uns dazu, die Samenbestände der Kulturmöhren aufwendig vor Einkreuzungen zu schützen.


Herkunft

Dies soll aber nicht zu der Annahme führen, dass die Möhre hierzulande aus den Wildformen gezüchtet worden sei: An Ihrer Entstehung sind noch andere Unterarten aus dem Mittelmeergebiet und aus Afghanistan beteiligt (HEGI 1926).

Auch ist der Anbau der Möhre in Mitteleuropa verhältnismäßig jung. Erst im 16. und 17. Jahrhundert wurden Kulturmöhren über die Mittelmeerländer hierher gebracht. (KÖRBER-GROHNE 1997).

Noch jünger ist erstaunlicherweise, was wir uns heute unter einer Möhre vorstellen, nämlich die orangefarbene. Die zunächst angebauten Sorten waren weiß, gelb (daher gelbe Rüben), oder purpur-violett! Im 18. Jahrhundert erst tauchten in den Niederlanden die ersten orangen Möhrensorten mit entsprechend hohem Karotingehalt auf.

Unter diesen ersten orangen Sorten gab es solche mit einer kurzen spitzen Form, sogenannte "Hornmöhren", aus denen in der Folge sowohl die uns bekannten langen Formen als auch die ganz kurzen runden Karotten hervorgegangen sind (KÖRBER-GROHNE 1997).


Duwicker Möhre

Eine der letzten uns erhaltenen Nachkommen dieser Frühformen ist die um 1800 in den Niederlanden entstandene Sorte Duwicker, die sich noch bis etwa 1970 großer Beliebtheit und weiter Verbreitung erfreute. Noch heute ist sie älteren Leuten ein Begriff und der Handel verkauft oftmals die neuere Sorte Rubica mit dem Zusatz "verbesserte Duwicker", obwohl sie über eine flüchtige Betrachtung hinaus mit dieser rein gar nichts gemein hat! Ähnlichkeit besitzt nur noch die Guerande, die 1884 entstand.


Eigenschaften

Duwicker Möhre
Duwicker Möhre

Was zeichnet diese Möhre aus, das sie als "Urgroßmutter" auch heute noch attraktiv macht?
Die Duwicker, die auch "Duwika" genannt wird, ist eine ungewöhnliche Möhre: Als erstes sticht ihre besondere Form ins Auge. Sie ist kurz, etwa 5-9 cm lang, oben 2,5-5 cm dick und nach unten spitz zulaufend, "kreiselförmig".

Ihr Geschmack ist sehr süß und enorm aromatisch! Duwika ist eine raschwüchsige Frühkarotte, die sich als Treibmöhre im Frühbeet und früheste Freilandkarotte eignet. Sie wird aber auch den ganzen Sommer hindurch bis zu spätesten Ausaatterminen Anfang August gesät.

Durch den hohen Zuckergehalt ist sie wenig frostempfindlich und kann mit mehr Erfolgsaussicht als andere Sorten unter einer Strohdecke im Winter draußen stehen bleiben. Mit dieser Vielseitigkeit hat sie früher wesentlich zu einer lückenlosen Versorgung mit jungen Karotten beigetragen (BECKER-DILLINGEN 1950).

Wie der Zuckergehalt, so ist auch der Trockensubstanzgehalt hoch, was mitbewirkt, dass sie viel fester ist, als für eine Frühkarotte erwartet. Natürlich gibt es noch viel mehr Eigenheiten. Das Laub ist für eine so kleine Möhre vergleichsweise kräftig, die ganze Pflanze wenig anspruchsvoll und dank ihrer Form wird sie selbst auf schweren Böden nicht beinig.


Neuaufbau der Sorte

Da Anfang der 90iger Jahre kein Duwicker-Saatgut mehr aufzutreiben war, begann ich 1995 die Sorte mit Samenproben aus der Genbank Gatersleben neu aufzubauen.

Die vier erhaltenen Herkünfte waren in einigen Merkmalen verschieden und ich entschloß mich, ausgewählte Pflanzen von drei Herkünften zusammenzuführen, um einer Vereinseitigung und Inzuchtproblemen vorzubeugen.

In der Folge wählte ich den Weg, nicht einem historischen Bild nachzulaufen, sondern die Pflanzen (natürlich mit den beschriebenen Eigenschaften im Hintergrund) ganz neu zu betrachten und die Zucht-Eliten für unsere heutigen Verhältnisse auszuwählen. So strebe ich zum Beispiel an, die ursprünglich sortentypische Grünköpfigkeit, die bei den vorhandenen Herkünften zum Teil extrem, bis in das Rübeninnere hinein, ausgeprägt war, weitestgehend zu reduzieren. Nur so kann diese alte Sorte in unseren Gärten wieder lebendig werden.

Duwicker wird von Dreschflegel neu zur Zulassung angemeldet, damit ihr Saatgut wieder offiziell vertrieben werden kann.


Literatur:

  • Becker-Dillingen, J.: Handbuch des gesammten Gemüsebaus, 5. Auflage, Berlin 1950
  • Hegi,G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, München 1926
  • Körber-Grohne, U.: Nutzpflanzen in Deutschland, Stuttgart 1988

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