Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Speiseplatterbse (Autor: Ludwig Watschong)

Alte Kulturpflanze

Anfang der 90er Jahre erhielt ich aus dem Rheinland Samen der Speiseplatterbse (Lathyrus sativus). Diese Sorte wurde dort seit Generationen angebaut und gegessen. Sie trug den Namen Köcherling. Der Erhalter erzählte mir, dass diese Sorte früher in der ganzen Gegend gezogen wurde, er jetzt aber der Letzte sei, der sie im Garten habe. Ich baute sie an und war begeistert.


Herkunft

Nun fing ich an, mich intensiver mit dieser Pflanze zu beschäftigen. Ich fand heraus, dass sie in Europa vor allem in den Mittelmeerländern angebaut wurde. Auch in Tschechien gab es eine große Vielfalt an Sorten. Hautverbreitungsgebiet war und ist aber Südasien mit dem Schwerpunkt in Indien. Hauptgrund für ihre starke Verbreitung ist, dass sie von den proteinreichen Pflanzen neben Linsen die Genügsamste ist und gut längere Trockenperioden überstehen kann.


Eigenschaften und Anbau

Die Blätter sind lang und schmal, die Blüten weiß, die Samen weiß mit braunem oder grünem Schimmer. Der wesentliche äußerliche Unterschied zu den "normalen" Pisum – Erbsen sind die 2- flügeligen Hülsen sowie die 3-kantig platten Samen. Das Gute ist, dass sie keinen Erbsenwickler kennen. Mit Stütze wächst sie bis zu 1,80 m. Sie blühen und fruchten etwas später als Pisum–Erbsen, aber dafür um so länger. Man kann sie bis in den Oktober beernten.


Verwendung und Probleme

Die Samen wurden vor allem als Trockenerbsen gelagert und im Winter in dicken Suppen verspeist. Man kann aber auch die grünen Samen wie frische Mark- oder junge Palerbsen verwenden.

Wenn diese Pflanze Hauptnahrung war, kam es immer wieder zu gesundheitlichen Problemen, dem sogenannten Lathyrismus. Man fand heraus, dass dafür ein chemischer Stoff mit der Abkürzung ODAP verantwortlich war. Es ist ein Nervengift, das in hohen Konzentrationen zu Ödemen, im schlimmsten Fall zu Lähmungen führen kann.

Platterbse
Platterbse

Nun fand man heraus, dass der Gehalt in den einzelnen Sorten sehr unterschiedlich ist. Er schwankt zwischen 0,05% bis über 0,5%. Über 0,5% gilt als gesundheitlich bedenklich. Beim Verzehr von Samen mit einem ODAP-Gehalt von unter 0,2 % fand man keine Symptome mehr.

Als ich das las, wollte ich natürlich wissen, welcher Gehalt in meiner Sorte Rheinland steckt. Hier in Europa fand ich allerdings kein Labor, keine Uni, die sich mit diesem Problem beschäftigte. In Australien wurde ich dann fündig und schickte 40 Proben zur Untersuchung.

Die Sorte Rheinland hatte 0,33%. Schweren Herzens entschloss ich mich, diese Sorte nun nicht mehr über "Dreschflegel" anzubieten. Ich gab diese Sorte an Christian Havenith (VEN) ab, der regionale Rheinland – Sorten sammelt. Er wird diese Sorte weiter erhalten und an Interessierte abgeben.


Unbedenkliche Sorte

Die Sorte, die ich im Moment über "Dreschflegel" anbiete, hat einen ODAP-Gehalt von 0,14%. Dieser ODAP-Gehalt bedeutet kein gesundheitliches Risiko.

Die "Große Weiße" Sorte wird mit 160 cm nicht ganz so groß wie die Sorte Rheinland, hat aber größere Körner. Die Samen werden zur Reife sehr hell, fast weiß.


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