Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Linsenzüchtung (Autor: Bernd Horneburg)

Auswahl und züchterische Entwicklung im Bioanbau

Durch langjährige Auslese erlangen unsere Sorten eine spezielle Eignung für den ökologischen Anbau unter den regionalen Bedingungen!"

Mit dieser These haben wir vor bald 15 Jahren unsere Arbeit aufgenommen. Das war zu einer Zeit, als nur wenige AußenseiterInnen biologisches Saatgut anbauten. Fast alles käufliche Saatgut stammte aus Züchtung und Vermehrung in der konventionellen Landwirtschaft. Außerdem wurde ein großer Anteil dieses Saatgutes aus Südeuropa, Afrika und Amerika importiert.

Unsere Aufgabe war also, die Auswahl und züchterische Entwicklung geeigneter Sorten in der Praxis des ökologischen Anbaus regional zu verwirklichen. Dass dies gelungen ist, zeigt das umfangreiche Dreschflegel-Sortiment.

Trotzdem beschäftigen uns viele offene Fragen: Wenn wir über die Jahre eine Verbesserung einer Sorte in unserem Garten beobachten, können wir nicht sehen

  • ob Jahreswitterung und Bodenunterschiede die Ursache sind
  • wie sich dieselbe Sorte an anderen Orten verhält
  • welche Rolle die Art der Auslese gespielt hat

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist keine einfache Aufgabe.


Sortenvergleiche am Beispiel der Linse

Verschiedene Linsensorten
Verschiedene Linsensorten

Mit langem Atem begann 1997 die Zusammenarbeit mit Prof. Heiko Becker vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen auf der Suche nach genauen Beobachtungen. Wir wählten die Linse für unsere Untersuchungen aus, weil sie als Speise gut bekannt, aber aus der Agrarlandschaft fast völlig verschwunden ist.

In den beiden ersten Jahren wurden Sortenvergleiche an drei Standorten angelegt, um etwas über die regional unterschiedliche Entwicklung von Linsen zu lernen und interessante Sorten auszuwählen.

Der Hauptversuch bekam den Beinamen 'Die magische Drei':
In den dreijährigen Experimenten wurden drei sehr unterschiedliche Sorten mit drei Ausleseverfahren bearbeitet. Das verwendete Saatgut stammte aus der Genbank in Gatersleben; es wurde auf drei Höfe verteilt und dort nachgebaut:

  • auf dem Reinshof, dem konventionellen Versuchsbetrieb der Universität bei Göttingen auf Lösslehm
  • auf Hof Tangsehl, einem Demeter-Betrieb im Landkreis Lüneburg auf Sandboden
  • in dem Demeter-Betrieb Kuhmuhne Schönhagen, 25 km südlich von Göttingen, auf Tonboden aus Muschelkalkverwitterung. Schönhagen ist ein traditioneller Linsen-Standort

Verfahren der Auslese

Verschiedene Linsensorten
Verschiedene Linsensorten

Die angewandten Verfahren der Auslese waren die natürliche Auslese, positive Massenauslese und Nachkommenschaftsauslese. Diese Methoden wurden ausgewählt, weil sie in der landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Praxis angewendet werden können und für uns gängiges Handwerkszeug sind.

Linsen gehören wie z.B. auch Erbsen oder Weizen zu den überwiegend selbstbefruchtenden Pflanzen; sie haben ein geringeres Anpassungsvermögen als Fremdbefruchter.

Trotz des für Entwicklungsprozesse kurzen Zeitraums entwickelten sich die Sorten verschieden, wobei sich alle Methoden als wirkungsvoll erwiesen. Eine Standortanpassung zeigte sich in tendenziell höheren Erträgen am Ort der Auslese. Auch führten die jeweiligen Boden- und Klimabedingungen teilweise zur Auslese bestimmter Pflanzentypen.


Anpassungsfähigkeit der Sorten

Um die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit der Sorten interpretieren zu können, lohnte sich ein Blick in die Biografien der Sorten: Sie waren in den letzten Jahrzehnten mit teilweise nur sehr wenigen Pflanzen erhalten worden; dadurch ging vermutlich eine Reihe ihrer ursprünglichen Eigenschaften verloren.

In zwei Kernpunkten haben die Beobachtungen uns in unserer Arbeit bestätigt:

  • der Ort der Auslese und Vermehrung hat einen großen Einfluss auf die Sortenentwicklung und sollte den Anbaubedingungen entsprechen. Regionalisierung ist sinnvoll
  • die langfristige, verantwortungsvolle und kompetente Betreuung einer Sorte ist von großer Bedeutung

Ergebnisse des Projektes

Die Ergebnisse des Projektes sind in zwei Bänden dokumentiert, um unser Wissen weiterzugeben und die Diskussion anzuregen. (Siehe Literaturangebot)

Wir danken dem Bundeslandwirtschaftsministerium für seine Unterstützung des Linsenprojektes seit 1999!


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