Dreschflegel Bio-Saatgut

Pflanzenportrait: Dicke Bohne & Co (Autor: Ludwig Watschong)

Herkunft und Geschichte

Die Dicke Bohne war nach Erbsen und Linsen die dritte Leguminose in unserem Kulturraum, die in den Anbau übernommen wurde. Da die Vielfaltszentren in Indien und Afghanistan liegen, nimmt man an, dass die Verbreitung von dort ausging und ab ca. 5000 v.Chr. im Mittelmeerraum genutzt wurde.

Rotblühende Puffbohne
Rotblühende Puffbohne

Im Raum des heutigen Deutschland begann die Nutzung um ca. 2000 v.Chr. Diese ersten Formen bildeten noch sehr kleine Samen aus, vergleichbar den heute noch angebauten Ackerbohnen. Diese zählte man immer zu der "minor"-Form (Tausendkorngewicht - TKG 200-650g), die Mittelgroßen waren die "equina" (TKG 650-1400g) und die Großsamigen die "major" TKG 1400-3000g). Da sich diese Formen aber alle miteinander kreuzen, kann man eigentlich nur Sorten unterscheiden.

Die großsamigen Sorten entstanden ungefähr zu Beginn des Mittelalters. Die Klein- und Mittelsamigen wurden als Kraftfutter zur Viehfütterung geschrotet, die Großsamigen dienten der menschlichen Ernährung.

Zusammen mit Gerste, Hafer und Roggen gehörte die Dicke Bohne zu den Pionier-Nahrungspflanzen der norddeutschen Tiefebene. Da sie sogar etwas salzverträglich ist, war sie neben Kohl, Sellerie und Bete sehr gut für den Anbau in den Marschen geeignet. Auch heute findet man in Ostfriesland noch alte Sorten der Puffbohne (siehe Reinhard Lühring).

Rotsamige Puffbohne
Rotsamige Puffbohne TKG 1150g

Weitere traditionelle Anbaugebiete waren Westfalen sowie die Gegend um Erfurt. In den Mittelmeerländern wird sie über Winter angebaut, da sie niedrige Temperaturen und feuchtes Klima liebt. So ist sie noch heute in der spanischen und griechischen Küche ein häufig anzutreffendes Nahrungsmittel.


Botanik

Weißblühende Puffbohne
Weißblühende Puffbohne

Die verschiedenen Formen unterscheiden sich im Wuchs. So gibt es Sorten, die einen Haupstängel bilden, andere treiben basal mehrere Stängel. Die Blütenfarbe ist bei alten Sorten meist weiß mit schwarzem Punkt und violetter Aderung. Aber es gibt auch Sorten mit brauner oder wie bei der Sorte Karmesin mit roter Blüte. Weißblühende Sorten sind eine neuere Züchtung und gehen meist auch mit weißbleibenden Samen einher.

Diese Sorten wie Weißkeimige oder Dreifachweiße büßten aber auch einiges an Geschmack ein. Positiv beschreibend würde man sagen: Sie sind milder im Geschmack. Schon vor 300 Jahren wurden rotsamige Sorten genannt, im Dreschflegel-Anbau befinden sich außerdem auch schwarz- und grünsamige Formen, ingesamt arbeiten wir an 10 Sorten, was europaweit sicher einmalig ist.


Inhaltsstoffe

Der Eiweißgehalt liegt etwas höher als bei Erbsen und (Phaseolus)-Bohnen, auch enthalten sie die essentiellen Aminosäuren Cystin, Lysin, Phenylalanin und Leucin in nicht unbedeutender Menge. Ebenso findet man Calcium, Phosphor, Kalium und Magnesium sowie Vit. E , C und B 1,2,+6 und Folsäure.

Schwarzsamige Puffbohne
Schwarzsamige Puffbohne TKG 940g

Die schwer verdaulichen Oligosaccharide sind schuld, wenn die Bohnenverdauung Gase bildet. Man kann allerdings dem Darm helfe,n indem man bestimmte Gewürze wie Bohnenkraut, Kümmel, Anis, Fenchel, Kamille oder Koriander dem Essen zusetzt. Es hilft auch, wenn nach dem Wässern oder Dünsten die Haut der Samen abgezogen wird.

Vor allem im Mittelmeergebiet wird von allergischen Reaktionen auf bestimmte Inhaltsstoffe berichtet, diesen Menschen fehlt ein bestimmtes Enzym, welches diese Stoffe unschädlich macht.


Puffbohne Hangdown
Puffbohne Hangdown

Anbau und Verwertung

Da die Puffbohne Frost bis minus 5 Grad verträgt kann sie sehr früh gelegt werden. Diese frühe Saat ist auch vorteilhaft, da dann die Jugendentwicklung noch vor der warmen Sommerzeit stattfindet. Denn bei zu warmer Witterung schwächeln die Pflanzen, was die schwarze Blattlaus anzieht.

Der Gartenboden profitiert auf jeden Fall von der Dicken Bohne, da sie durch ihre tief- und weitreichenden Wurzeln feste Bodenstrukturen aufschließt und der Erde mit Hilfe ihrer Knöllchenbakterien Stickstoff zuführt.

Eigentlich brauchen die Pflanzen keine Stütze, aber bei starkem Behang und starkem Wind können sie zu Boden gehen. Geerntet werden die jungen grünen Hülsen, aus denen man die noch weichen Körner pult. Diese sollten dann sofort verbraucht oder eingefroren werden, da sie schon innerhalb eines Tages welken. Will man trockene Samen für die Winterlagerung oder den Nachbau ernten, lässt man die Hülsen am Stängel vertrocknen.


Zwei oft nachgefragte Aspekte:

Dicke Bohne
Rotsamige Dicke Bohne
links mit Käferloch, rechts mit Nabelstück

1. An den trockenen Samen bleiben ganz oft kleine Nabelstückchen hängen, mit denen der Same innen an der Hülse befestigt ist. Diese Stücke könnten für vertrocknete Keimlinge gehalten werden, dem ist aber nicht so.

2. Immer wieder kommt es vor, dass kleine Rüsselkäfer winzige Löcher in den Samen bohren. Da die Bohnen grundsätzlich eine Zeit eingefroren werden, befinden sich keine lebenden Käfer mehr in den Samen. Die Keimfähigkeit der Samen ist dadurch nicht eingeschränkt, da die Käfer die Keimlinge meiden.


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