Dreschflegel Bio-Saatgut

Wasserversorgung - Gießen im Sommer (Autor: Ludwig Watschong)

Wenn über Deutschland ein stabiles Azorenhoch liegt und es nach einem Jahrhundertsommer aussieht, muss der Gärtner nicht mehr so viel hacken, aber es entsteht natürlich die Frage, wann muss ich anfangen zu gießen oder zu sprengen? Auf welche Art und wie oft ist Gießen angesagt? Was braucht die Pflanze?


Bodenbedingungen

Entscheidend ist erst mal die Wasserhaltefähigkeit des Bodens. Sandboden verliert sehr schnell die Feuchtigkeit, Lehmboden und Boden mit viel organischer Masse kann sehr viel Feuchtigkeit halten. Somit muss der Sandboden schneller und öfter gegossen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Höhe des Grundwasserspiegels. In Niederungen und Senken liegt er höher als am Hang oder auf Bergen. Je höher der Grundwasserspiegel liegt, desto besser kommen die Pflanzen aus eigener Kraft an Wasser.


Gießen ja oder nein und wenn nein wie oft nicht?

Hört sich erst mal lustig an, der Gedanke dahinter ist aber, dass das Gießen immer eine Notlösung ist. Besser ist es, wenn die Pflanze sich selber mit dem nötigen Wasser versorgen kann.

Aufpassen muss man in der Keimphase und in der Jugendentwicklung der Pflanze. Da darf der Boden (oder Topf) nicht austrocknen. Gerade in den letzten Jahren gab es oft im April oder Mai schon längere Trockenphasen, dann wundern sich die Gärtner über nichtkeimendes Saatgut. Oft liegt es daran, dass die Samen beim Ausbringen noch genügend Feuchtigkeit zum Keimen haben, aber wenn dann der Boden austrocknet, sterben die Keimlinge noch in der Erde ab, bevor sie die Keimblätter aus der Erde schieben.

In der Wachstumsphase sollte man möglichst gar nicht gießen, damit die Pflanzen ein umfangreiches, tiefes Wurzelwerk ausbilden, um dann auch in Trockenzeiten noch an Wasserreserven gelangen zu können.

Sparsamer Umgang mit Wasser sollte immer auch in die Überlegungen mit einfließen, vor allem wenn das Wasser aus der Leitung stammt.

Obstbäume brauchen in der Regel keine Wassergaben, außer sie wurden gerade erst gepflanzt, auch sonstige Büsche und Bäume können für sich selber sorgen. Rasenflächen zu gießen sehe ich als Wasserverschwendung an.

Wenn gegossen wird, ist es sinnvoll, tief und durchdringend zu gießen, so dass der gesamte Wurzelbereich der Pflanzen feucht wird. Sonst schränken die Pflanzen ihren Wurzelballen ein.

Der Tipp von einem Forum-Mitglied: Erst wenig angießen, so dass die trockene Erde angefeuchtet wird, sonst fließt alles ab, ohne dass die Erde es aufnimmt. Dann stärker gießen, so dass das Wasser eindringt und dann gießen bis die Erde gesättigt ist. Zwischen diesen Gieß-Intervallen etwas Zeit lassen.

Das beste Gieß-Wasser ist Regenwasser, wobei der erste Regen nach langer Trockenheit nicht gesammelt werden sollte, da er erhöhte Mengen schädlicher Stoffe (ausgewaschen aus der Luft und vom Dach) enthalten kann.


Wann gießen?

Abendliches Gießen dringt gut in den Boden ein und die Pflanze hat Zeit, sich genügend Wasser aus der Erde zu ziehen. Allerdings zieht die Feuchtigkeit dann auch die Schnecken an, die sowieso lieber in der Nacht ihr Unwesen treiben. Ein anderer negativer Aspekt ist, dass die Feuchtigkeit lange auf den Blättern steht, ohne abzutrocknen und das fördert Pilzinfektionen.

Die beste Zeit zum Gießen ist der Sonnenaufgang. Tagsüber sollte nicht gegossen werden. Sollte es doch mal nötig sein, dann sollte man Wasser nehmen, welches die gleiche Temperatur hat, wie die Umgebung der zu gießenden Pflanzen.

Tagsüber sollte nicht auf die Blätter gegossen werden, da sich dort die gewölbten Wassertropfen wie Brenngläser verhalten und die konzentrierten Sonnenstrahlen Verbrennungen hervorrufen können.


Womit gießen?

Gießkanne - die klassische Methode des Gießens, wie sie bereits vor über tausend Jahren vom Benediktinermönch Walahfrid Strabo im Hortulus beschrieben wurde. Er sagte damals auch schon, dass man fürs Gießen angewärmtes Wasser nutzen sollte. Mit der Gießkanne kann man punktgenau die Feuchtigkeit dort erhöhen, wo sie gebraucht wird. Der Rest des Gartens bleibt trocken und es muss nach dem Bewässern nicht gehackt werden. Es sollte immer unter die Pflanzen gegossen werden.

Permanentbewässerung - Für den Gartenbau ist die Tröpfchenbewässerung inzwischen Usus. Der Wasserverbrauch ist dabei relativ gering und die Pflanze bekommt genau die Menge Wasser, die sie gerade benötigt.

Auch für Kleingärtner werden solche Systeme in kleinem Maßstab angeboten. Eine einfache Methode der Tröpchenbewässerung z.B. für Töpfe auf dem Balkon ist es, einen Eimer Wasser neben die Töpfe zu stellen und dicke Wollfäden zum einen in das Wasser zu legen zum anderen in die Erde der Töpfe zu drücken. So zieht die trockene Erde die Feuchtigkeit aus dem Eimer. Im Gewächshaus kann man z.B. auch eine Tonschale (ohne Loch) neben der Pflanze eingraben, dann diffundiert ganz langsam das Wasser aus dem Tongefäß.

Ein negativer Aspekt der Tröpfchenbewässerung: wenn man der Pflanze genau so viel Wasser gibt, wie sie braucht, hat sie kein Bedürfnis mehr die Wurzeln tiefer und weiter in den Boden zu schicken, auf der Suche nach Wasser, d.h. sobald die Tröpfchen nicht mehr tropfen, steht die Pflanze "auf dem Schlauch", will sagen sie hatte sich angepasst, wurde bequem und könnte sich nicht schnell genug umstellen auf "Selber-Wassersuchen".

Sprenger - verbrauchen sehr viel mehr Wasser als wenn man mit der Gießkanne oder per Tröpfchen gießt. Es wird der gesamte umgebende Boden der Pflanzen nass. Das hat den Vorteil, dass sich die Wurzeln nach überall ausdehnen können, während, wenn man nur die selektiv gießt, bleiben die Wurzeln in dem Bereich der feucht ist. Aber es ist gut wenn die Pflanze ein möglichst großflächiges Wurzelwerk ausbildet.

Ein Nachteil ist, dass man nach dem Sprengen die freien Bodenflächen hacken muss. Dies muss zum einen geschehen, um das Beikrautwachstum zu verhindern und zweitens, die Verdunstung einzuschränken.


Unterschiedliche Pflanzenbedürfnisse - oder:
Wie viel Wasser brauchen welche Pflanzen?

Kräuter und Gewürze kommen i.d.R. mit Trockenheit gut zurecht, vor allem wenn es sich um mediterrane Pflanzen wie Rosmarin, Salbei und Lavendel handelt. Pfefferminze braucht hingegen einen feuchten, leicht schattigen Platz, um nicht zu vertrocknen.

Anzumerken ist, dass einjährige und manchmal auch zweijährige Pflanzen durch Trockenzeiten zum "Schießen" (Blütenbildung) angeregt werden. Das unterbricht die vegetative Phase und verhindert damit eine gute Ernte.

Bei großer Trockenheit können sich Blätter gelb verfärben, weil die Nährstoffe nicht aus der Erde gelöst werden und den Pflanzen daher nicht zur Verfügung stehen.

Schlechte Trockenheitsverträglichkeit:

Die Rote Bete ebenso wie die gelbe und die weiße Bete wuchsen ursprünglich in feuchten Niederungen und brauchen sehr viel Wasser. Das gleiche gilt auch für Sellerie in den verschiedenen Formen wie Stangen-, Knollen- und Schnittsellerie.

Ein sehr großes Wasserbedürfnis haben auch alle Kohlgewächse, Hitze und Trockenheit machen ihr zu schaffen.

Ganz wichtig ist das ständige Gießen bei den Alliumarten wie Zwiebel, Knoblauch und Porree, da sie ihre Wurzeln nur im oberen Bodenbereich bilden. Hier empfiehlt sich auch das Mulchen mit Grasschnitt, da die minimale Blattmasse den Boden nicht gut bedecken kann, sich dadurch der Boden sonst stark erhitzt und viel Feuchtigkeit verdunstet. Wenn die Wurzeln vertrocknen, regenerieren sie sich nicht und beim nächsten Gießen verfaulen die Pflanzen.

Bessere Trockenheitsverträglichkeit:

Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Melonen, Gurken und Kürbis brauchen zur Erzeugung ihrer sehr saftreichen Früchte sehr viel Wasser. Vor allem Kürbis, Tomate und Melone kommen aber ganz gut mit Trockenzeiten zurecht, da sie tiefgehende Wurzeln haben. Fehlt den Fruchtgemüsen das nötige Wasser, sieht man es gleich durch das Erschlaffen der Blätter und sie werfen ihre Früchte ab.

Gurken, vor allem die älteren Sorten, reagieren auf Stresszustände mit bitteren Früchten. Trockenheit und Hitze sowie seltenes zu starkes Gießen oder zu kaltes Wasser sind solche Stresssituationen. Deshalb ist die beste Wasserversorgung der Gurken eine ständige Tröpfchenbewässerung.

Sehr gute Trockenheitsverträglichkeit:

Pflanzen mit sehr tiefgehenden Pfahl-Wurzeln, die gut an tiefe Wasserspeicher herankommen, sind Puffbohnen (bis zu 2m), Pastinak, Schwarzwurzeln und Möhren. Da die wilden Verwandten dieser Pflanzen zudem noch trockene Standorte bevorzugen, kommen sie mit Trockenzeiten besser zurecht.

Die Speiseerbsen können auch gut mit Trockenzeiten umgehen. Noch besser kann das die Speise-Platterbse, die regelrecht die Trockenheit liebt und eher in feuchten kühlen Sommern kümmert.

Einige Pflanzen heißer Gegenden haben eine Möglichkeit gefunden, das vorhandene Wasser effektiver zu nutzen. Zu diesen sogenannten C4-Pflanzen gehören die Kulturpflanzen Mais, Hirse und Amaranth.

Einige Eigenschaften, die spezifisch in trockenen Gegenden entstanden, findet man z.B. bei Getreidesorten. Manche haben eine Wachsschicht auf den Blättern, andere haben fein behaarte Blätter.


Gibt es so etwas wie Abhärtung durch weniges Gießen der Pflanzen, um Trockentoleranz zu provozieren?

Innerhalb eines Jahres kann man keiner Pflanze so etwas anzüchten. Man könnte allerhöchstens an die Grenze der Belastbarkeit der Pflanze gehen, um ihre maximalen Möglichkeiten anzuregen. Aber dafür ist es wichtig, ganz genau zu wissen, wo diese Grenze liegt, was wiederum von den Bodenbedingungen, dem Kleinklima und den Bedürfnissen der jeweiligen Pflanze abhängt.

Grundsätzlich würde ich sagen, lieber zu früh als zu spät gießen, denn wenn die Wurzeln erst mal abgestorben sind, wird das Wachstum der Pflanze für einige Zeit gestoppt oder erliegt ganz (z.B. bei Allium-Gewächsen).

Wirkliche Veränderungen bei den Eigenschaften der Pflanzen können nur durch Züchtungsarbeit über viele Generationen erreicht werden. Da es dann dabei nicht um eine möglichst große Ernte geht, kann man die Pflanzen schon an ihre Grenzen führen um die trockenheitstolerantesten Überlebenden auszulesen.


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