Dreschflegel Bio-Saatgut

Schnecken - der sanfte Weg (Autorin: Andrea Emde)

Die Schnecken - das sind zwittrige Weichtiere, erdgeschichtlich ein uralter Stamm, viel älter als der Mensch, und in der Klasse der Bauchfüssler seit über 500 Millionen Jahren erfolgreich. Schnecken gibt es überall, zu Wasser und zu Land, und somit auch in unseren Gärten. Nacktschnecken treiben GärtnerInnen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 m/h in die Resignation oder zu brutalen Taten.

Die Schneckenplage hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Vor allem die eingeschleppte Spanische Wegschnecke vermehrt sich in Deutschland rasant und verdrängt auch einheimische Arten. Die anderen Fresser unserer zarten Gemüsepflänzchen sind vor allem Ackerschnecken und die Große Rote Wegschnecke.


Eigenarten verschiedener Schnecken

Viele Schnecken sind aufgrund ihrer Fressgewohnheiten tatsächlich harmlose GartenbewohnerInnen - der hübsch gestreifte Tigerschnegel zum Beispiel frisst vor allem welke Blätter oder Algen.

Gehäuseschnecke
Harmlose Gehäuseschnecke

Auch die kleinen Häuschenschnecken nagen eifrig Algen von Baumstämmen und verdauen faulendes Laub.

Weinbergschnecken fressen sogar gern Eier von Nacktschnecken und können so dazu beitragen, dass die Nackten nicht überhand nehmen.

Die Nacktschnecken haben in der Natur die Hauptaufgabe, absterbende und schwache Pflanzen und anderen Abfall abzubauen und arbeiten somit wie alle zersetzenden Tiere im Dienste der Bodenfruchtbarkeit. Dummerweise kommen sie im Garten mit dieser Aufgabe den Interessen der GärtnerInnen in die Quere, die hier Pflanzen kultivieren möchten, welche nach anderen Kriterien als Überlebensfähigkeit in freier Natur gezüchtet wurden, meist nicht aus der Gegend stammen und oft noch im Frühjahr bleich und weichblättrig von der Fensterbank kommen. Mit den Grubenaugen einer Schnecke gesehen ist das das Zeug, was gut schmeckt und weg muss.


Abhilfe bei Schneckenüberpopulation

Aber wie kann mensch denn mit den Schnecken in Frieden leben, ohne den Garten aufzugeben? Das ist die verzweifelte Frage vieler GärtnerInnen, die nicht mehr die Illusion haben, durch Absammeln, Wegbringen und Töten ihren Garten schneckenfrei zu bekommen.

Es gibt ein paar Möglichkeiten, sich gegen einen Schneckenansturm zu wehren, bekannte und weniger bekannte. Es bedarf sicher guter Beobachtung und einigen Ausprobierens, bis ein praktizierbares Maßnahmenpaket für den eigenen Garten gefunden ist. Und es heißt: immer dranbleiben. Denn die Schnecken kommen immer wieder und zwar schnell: der Begriff Schneckentempo bezieht sich nämlich nicht auf ihre Vermehrung.


Hilfe durch Nützlinge

Eines der besten Prinzipien ist natürlich, andere für sich arbeiten zu lassen, nämlich solche Nützlinge, zu deren Nahrung Nacktschnecken bzw. deren Eier gehören. Durch naturnahen Anbau und Rückzugsgebiete im Garten wie Gebüsche, Ast- und Steinhaufen können solche Tiere gefördert und idealerweise ein Gleichgewicht geschaffen werden, das die Schneckenvermehrung mit der Zeit im Zaum hält.

Zu diesen Nützlingen zählen Frettchen, Mauswiesel, Gartenschläfer, Igel, Maulwurf, Spitzmaus, Amphibien, Eidechsen, Blindschleichen, verschiedene Vögel, Weinbergschnecken, Insekten wie Laufkäfer, Kurzflügler, Weberknecht und Hundertfüßler.

Berühmt als Schneckenfresser, aber nicht für jeden haltbar: die Indischen Laufenten. Die Tiere brauchen ja nicht nur Schnecken zum Leben, sondern auch tägliche Versorgung und einen mardersicheren Stall. Sie müssen schon als Küken an Schneckenverzehr gewöhnt werden und fressen dann sogar die nicht so wohlschmeckende Spanische Wegschnecke. Enten verschmähen auch zarte Gemüse nicht und verschmutzen es mit ihrem Kot. Daher empfiehlt sich die Anlage von Patrouillengängen rund um die Beete; eine Beetbeweidung wird nur in vor oder nach dem Gemüse angebauter Gründüngung oder in der vegetationsfreien Zeit erlaubt.


Gärtnerische Maßnahmen

Häufige Bodenbearbeitung (Bodenlockerung) und feinkrümeligen Boden lieben Schnecken überhaupt nicht, da sie ja tagsüber ein Versteck brauchen. Ein versteckfreier Gartenboden kratzt die Schnecken allerdings wenig, wenn es eine benachbarte Wiese gibt, in die sie sich nach getaner Arbeit zurückziehen können!

Im Frühjahr Mulchdecke auf den Beeten entfernen, erst im Sommer dünn mulchen. Erst aussäen, wenn der Boden genügend erwärmt ist. Je schneller die Pflanzen auflaufen, desto geringer ist der Fressschaden.

Guter Start für Jungpflanzen: Jungpflanzen sind um so weniger gefährdet, je mehr sie abgehärtet sind und je mehr Wurzelmasse sie besitzen. Deshalb sollten vorgezogene Pflanzen mindestens eine Woche abgehärtet werden und keine kleinen oder schwachen Pflanzen ausgepflanzt werden.

Schnecken lieben Pflanzen, die schlechte Wachstumsbedingungen haben, z.B. durch zuviel Kälte. Gefährdete Pflanzen können auch einzeln geschützt werden z.B. durch Blumentöpfe ohne Boden, durchgeschnittene Plastikflaschen oder Gläser, die während der Nacht über die Pflänzchen gestülpt werden. Gießen sollte mensch lieber selten, aber dann gründlich. Am besten morgens, damit es die nachtaktiven Schnecken nicht so gemütlich feucht haben.


Weitere Hilfsmittel aus dem Pflanzenreich

Gerb- und Bitterstoffe sowie ätherische Öle wirken schneckenabwehrend. Daher ist es möglich, Pflanzen, die solche Inhaltsstoffe haben, als Mulch zu verwenden oder Auszüge zum Benetzen von gefährdeten Pflanzen und Boden daraus zu bereiten.

Geeignete Mulch- und Auszugspflanzen sind in dieser Hinsicht z.B.: Brennessel, Efeu, Estragon, Farne, Holunderblätter, Kamille, Kapuzinerkresse, Koriander, Kresse, Lavendel, Liebstöckel, Oregano, Petersilie, Rainfarn, Ringelblumen, Rosmarin, Salbei, Schafgarbe, Schwarze Johannisbeerblätter, Seifenkraut, Thuja, Tomaten, Wacholder, Wermut, Wurmfarn, Ysop und Zwiebeln.

Schnecken meiden auch mit Moosextrakt besprühte Pflanzen: dazu 40 g Moos beliebiger Art je Liter Wasser einen Tag einweichen und durchsieben. Ebenso meiden sie versprühte ätherische Öle wie Lavendel- oder Salbeiöl, in einer Lösung mit 5 ml äth. Öl pro Liter Wasser und ein paar Tropfen Emulgator. Auch Steinmehl, über gefährdete Pflanzen gestreut, scheint den Schneckenappetit zu verderben. Diese Abwehrmaßnahmen müssen allerdings oft erneuert werden, vor allem nach Regen.

Schnecken können zwar sogar über Rasierklingen klettern, ohne sich zu verletzen, aber anscheinend meiden sie unangenehme Untergründe, wenn es sich einrichten lässt. Jedenfalls empfehlen HobbygärtnerInnen Barrieren z.B. aus zerkleinerten Eierschalen, Asche, Gerstengrannen, trockenem Mulch, Sägemehl, zerschreddertem Schilf, Steinmehl, Fichtennadeln, Sand und Kaffeesatz. Solche Barrieren wirken bei Trockenheit eindeutig besser als bei Regen und je breiter und dicker, desto besser. Auch sie müssen regelmäßig erneuert werden.


Mechanische Hilfsmittel

Schneckenzäune können ein gutes, jedoch hochpreisiges Mittel sein, um ein begrenztes Gartenstück schneckenfrei zu bekommen. Schnecken sind Artisten im Überwinden von Hindernissen, aber der ca. 15 cm hohe Schneckenzaun aus Zinkblech, Kunststoff oder Drahtgeflecht macht es ihnen durch den nach außen umgebogenen Rand schwer, besonders, wenn dieser von der Unterseite mit Schmierseife bestrichen wird. Innerhalb des Zaunes kann durch Absammeln ein schneckenarmer Raum hergestellt werden.

Wenn jemand Schnecken absammeln möchte, was auch immer er/sie dann damit vorhat - dies kann effektiv erledigt werden. Schnecken haben Lieblingszeiten (nachts), ein Lieblingsklima (feucht, Temperaturoptimum 18° C) Lieblingsplätze zum Fressen (unsere Pflänzchen...) und Lieblingsplätze zum Verstecken (kühle, dunkle Hohlräume). Das bedeutet, dass die besten Sammelergebnisse abends oder morgens erzielt werden, vor allem bei feuchter Witterung, wenn mensch alle schneckenattraktiven Plätze inklusive Komposthaufen abgeht.

Besonders geschickt ist es natürlich, den Schnecken attraktive Ruhe- und Fressplätze anzubieten, wo dann bequem immer welche angetroffen werden. Gern angenommen werden zum Verkriechen Bretter, Kartons, große Blätter, Tontöpfe und zum Fressen vergammelnde Früchte und Gemüse, Zucchini- oder Kartoffelscheiben, Hunde-/Katzenfutter oder einfach ausgerissenes Beikraut.


Ablenkungsfütterung

Gut kombinieren lassen sich die Methoden "Barriere um Begehrtes" und "Stattdessen etwas Vergammeltes füttern". Auch wenn mensch Schnecken nicht absammeln will, kann mensch ihnen etwas anbieten, was sie gern mögen, um sie von den uns wertvollen Kulturpflanzen abzulenken.

Um in Frieden mit den Schnecken zu kommen, könnte auch erwogen werden, einen abgelegenen Futterplatz einzurichten oder hin und wieder leckere Pflanzen für die Schnecken anzubauen. Es muss ihnen allerdings deutlich mitgeteilt werden, was für sie ist und was nicht für sie ist.

Die berühmte Bierfalle steht mittlerweile im Ruf, Schnecken von weither anzuziehen (es gibt daher die Empfehlung, sie in Nachbars Garten aufzustellen...). Außerdem sterben Schnecken qualvoll, genau wie in anderen Fallen oder durch Schneckenkorn, und die Guten werden damit auch erwischt.

Es gibt Pflanzen, die für Schnecken besondere Leckerbissen sind - die ruckzuck voller Schnecken hängen, sobald sie im Garten stehen. Diese Anziehung ist natürlich auch zum Schneckensammeln nutzbar (Fangpflanzenmethode). Tagetes eignen sich gut hierfür.

Genauso gibt es Pflanzen, die den Schnecken geschmacklich nicht so zusagen. Wenn dies bei der Anlage von Beeten in Schneckengebieten berücksichtigt wird, können Enttäuschungen verringert werden. Allerdings ohne Erfolgsgarantie: abhängig von Schneckendichte, Schneckenwetter und sonstigem Nahrungsangebot kann es auch hier zu Ausfällen kommen.


Folgend eine kleine Auflistung von einigen bei Schnecken meist nicht so beliebten Pflanzen, die Sie auch in unserem Dreschflegel-Sortiment finden:

  • Zierpflanzen: Akelei, Balsamine, Bartnelke, Cosmea, Ehrenpreis, Elfenspiegel, Fingerhut, Fuchsschwanz, Gelenkblume, Glockenblumen, Goldlack, Kalifornischer Goldmohn, Jakobsleiter, Kapuzinerkresse, Karde, Katzenminze, Kokardenblume, Lichtnelken, Löwenmäulchen, Malven, Mohn, Nachtkerze, Nelken, Nelkwurz, Papierblume, Ringelblume, Salbeiarten, Schwarzkümmel, Sommeraster, Sonnenflügel, Sonnenhut (Rudbeckia, Echinacea), Steinkraut, Wicken, Ziertabak
  • Kräuter: Beifuß, Bohnenkraut, Borretsch, Lavendel, Salbei, Thymian, Weinraute, Ysop, Wermut
  • Gemüse: Mangold, Rettiche, Rote Bete, rotblättriger Salat (je nach sonstigem Angebot), Spinat, Zwiebeln

Viel Freude beim Ausprobieren - und nicht den Mut verlieren!


Übersicht Pflanzenanbau

© Dreschflegel 2017 | Kontakt | Impressum | Sitemap | Datenschutzerklärung | nach oben nach oben